Was ist eine Sonderabschreibung beim IAB?
Die Sonderabschreibung nach §7g EStG erlaubt es Unternehmern, zusätzlich zur normalen Abschreibung bis zu 40 % der Anschaffungskosten eines begünstigten Wirtschaftsguts steuerlich geltend zu machen.
Sie kann in den ersten fünf Jahren nach Anschaffung genutzt werden und dient dazu, Investitionen steuerlich schneller wirksam werden zu lassen.
Abschreibungen und Sonderabschreibung beim IAB einfach erklärt
Abschreibungen dienen dazu, die Anschaffungs- oder Herstellungskosten eines Wirtschaftsguts nicht sofort, sondern über die Nutzungsdauer verteilt steuerlich abzusetzen.
Für Unternehmer sind sie ein zentraler Bestandteil der steuerlichen Gewinnermittlung. Denn Investitionen wirken sich in vielen Fällen nicht vollständig im Jahr der Zahlung aus, sondern werden über mehrere Jahre verteilt.
Die bekannteste Form ist die lineare Abschreibung. Daneben gibt es in bestimmten Fällen weitere Möglichkeiten, etwa Sonderabschreibungen oder die Kombination mit anderen steuerlichen Regelungen.
Wichtig ist die richtige Einordnung: Abschreibungen sind kein Trick, sondern eine Grundlogik der steuerlichen Abbildung betrieblicher Investitionen.
Wann Abschreibungsstrategien für Unternehmer wirklich relevant werden
Abschreibungsstrategien sind für Unternehmer besonders dann relevant, wenn größere Investitionen geplant werden.
Beim IAB betrifft das vor allem bewegliche Wirtschaftsgüter. Es sind körperliche Gegenstände des Betriebsvermögens, die transportiert werden können, z. B.:
- Maschinen und technische Ausstattung
- Fahrzeuge
- Betriebs- und Geschäftsausstattung (z. B. Büromöbel, Laptops)
- bestimmte energiebezogene Anlagen (z. B. PV-Anlagen, Batteriespeicher)
- Geschäftsfelder – können auch neue zu eröffnende Betriebsfelder sein (z. B. Verleih von Wohnmobilen, Hausbooten, Tiny-Häusern)
Sobald Investitionen nicht nur aus dem laufenden Geschäft bezahlt, sondern aktiv geplant werden, wird die Abschreibung ein strategisches Thema. Denn sie beeinflusst, wie sich die Anschaffungskosten steuerlich über die Zeit verteilen.
Die Bundesregierung hat die Sonderabschreibungen erhöht, um die Wirtschaft anzukurbeln
Die Wirtschaft in Deutschland hat sich seit der Pandemie 2020 nicht wirklich wieder erholt. Ferner hat sich der Druck auf die deutsche Wirtschaft durch internationale geopolitische Krisen wie den Ukraine-Krieg und die aktuelle Iran-Krise sowie die Zollpolitik von Donald Trump erhöht.
In bestimmten Bereichen wurden Sonderabschreibungen gesetzlich angepasst, um Investitionen zu fördern. Der Hintergrund ist, dass der Staat Investitionen fördern will, damit die Wirtschaft wieder belebt wird.

So wurde zum Beispiel die Sonderabschreibung für den Mietwohnungsneubau (§ 7b EStG) im Rahmen des Wachstumschancengesetzes neu gefasst und gilt für Vorhaben, für die in einem bestimmten Zeitraum ein Bauantrag gestellt wird.
Wichtiger Unterschied (degressive AfA):
Parallel dazu wurde eine degressive Abschreibung (§ 7 Abs. 5a EStG) aktualisiert.
Diese beträgt bei Wohngebäuden 6 % pro Jahr und gilt für Kaufverträge, die zwischen dem 01.10.2023 und dem 30.09.2029 abgeschlossen werden.
Hierzu veröffentlichen wir in Kürze ebenfalls einen interessanten Blogartikel, da Immobilien zum Vermögensaufbau und zur Vermögensabsicherung sowie zur Altersvorsorge für Unternehmer sehr interessant und wichtig sind.
Bei beweglichen Wirtschaftsgütern gilt aktuell eine Abschreibung von bis zu 30 %.
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Wichtige steuerliche Rahmenbedingungen (Stand 2026)
Nachfolgend erklären wir Dir kurz und knapp die Fakten aus dem Wachstumschancengesetz.
Wichtige steuerliche Aspekte und Regelungen im Jahr 2026:
- Geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG):
- Die Grenze für die Sofortabschreibung von geringwertigen Wirtschaftsgütern bleibt im Jahr 2026 bei 800 Euro.
- Sonderabschreibung:
- Die im Gesetz verankerte, erhöhte Sonderabschreibung beträgt bis zu 40 % der zu erwartenden Anschaffungs- oder Herstellungskosten des jeweiligen begünstigten Wirtschaftsgutes. (aus anderen Förderregelungen, z. B. aus Investitionsprogrammen, sind sogar bis zu 50 % möglich.)
- Die Summe der Investitionsabzugsbeträge darf 200.000 Euro netto pro IAB nicht übersteigen.
- Die Gewinngrenze von 200.000 EUR im Abzugsjahr für bewegliche Wirtschaftsgüter gilt auch im Jahr 2026 fort.
- Degressive Abschreibung:
- Die degressive Abschreibung für bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens gilt für Anschaffungen im Zeitraum vom 31. März 2024 bis 31. Dezember 2024, während die Regelung für Wohngebäude bis 2029 verlängert wurde.
- Investitionsfrist:
- Die Investitionen müssen innerhalb von drei Jahren getätigt werden. Diese Frist beginnt in dem Jahr, in dem der IAB gebildet wurde.
- Nutzung:
- Das Wirtschaftsgut muss mindestens bis zum Ende des Folgejahres nach der Anschaffung in einer inländischen Betriebsstätte fast ausschließlich (> 90 %) betrieblich genutzt werden.
- Wegfall/Rückgängigmachung:
- Wird die Investition nicht fristgerecht getätigt, wird der IAB rückwirkend rückgängig gemacht. D.h. der Gewinn erhöht sich und die Nachzahlungen zuzüglich Zinsen sowie die dann neu angepassten Vorausszahlungsbescheide können je nach Fall erheblich sein, was sich natürlich auf die Liquidität im Unternehmen auswirkt.
Kurz gesagt: Wer ab 2024 neue/gebrauchte betriebliche Maschinen oder Geräte kauft, kann durch die erhöhten Sonderabschreibungen zusätzliche steuerliche Effekte nutzen und die Steuerlast senken.
Welche Vorteile Abschreibungen und Sonderabschreibungen bieten
Sauber geplante Abschreibungsstrategien bringen mehrere Vorteile:
- Bessere zeitliche Einordnung von Steuerauswirkungen
- Mehr Planbarkeit bei größeren Investitionen
- Bessere Abstimmung zwischen Investition, Steuer und Liquidität
- Klarere Entscheidungsvorbereitung im Unternehmeralltag
Besonders relevant wird das, wenn mehrere Investitionen parallel geplant werden oder wenn Investitionsentscheidungen in eine größere Struktur eingebettet sind.
Warum steuerliche Effekte nur dann sinnvoll sind, wenn auch die Zahlungsfähigkeit mitgedacht wird, liest Du im Beitrag „Liquiditätsplanung für Unternehmer – Steuerrücklagen und Szenarien“.
AfA einfach erklärt: Grundlagen der Abschreibung für Unternehmer
AfA steht für „Absetzung für Abnutzung“.
Damit ist gemeint, dass die Kosten eines Wirtschaftsguts steuerlich über dessen Nutzungsdauer verteilt werden. Ein angeschafftes betriebliches Wirtschaftsgut wirkt sich also in vielen Fällen nicht sofort komplett aus, sondern schrittweise über mehrere Jahre.
Die AfA ist damit die Grundform der Abschreibung.
Die AfA-Tabellen der Finanzverwaltung
Die gesetzliche Grundlage der Abschreibung und rechtliche Basis stehen im Einkommensteuergesetz (§ 7 EStG).
Dort steht sinngemäß: Wirtschaftsgüter sind über ihre betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer abzuschreiben. Das Gesetz selbst nennt keine konkreten Jahre.
Wer legt die konkreten Nutzungsdauern fest?
Die konkreten Jahre stammen aus den AfA-Tabellen der Finanzverwaltung.
Diese werden veröffentlicht vom: Bundesministerium der Finanzen (BMF)
Die Tabellen werden durch ein BMF-Schreiben bekannt gegeben.
Wer erstellt die Tabellen in der Praxis?
- Bundesministerium der Finanzen (BMF)
- In Abstimmung mit
- Landesfinanzverwaltungen
- Finanzämtern
- Branchenanalysen
- Erfahrungswerten der Wirtschaft
Die Tabellen beruhen also auf:
- Statistischen Nutzungsdauern
- Technischen Erfahrungswerten
- Branchenpraxis
Wichtig: AfA-Tabellen sind kein Gesetz. Das ist ein entscheidender Punkt.
AfA-Tabellen sind:
- Verwaltungsvorschriften
- Orientierung für Finanzämter
- Vereinfachungsregelungen
Daher kann die tatsächliche Nutzungsdauer im Einzelfall abweichen. Das ergibt sich wieder aus § 7 EStG.
Wie Finanzämter damit umgehen
In der Praxis gilt: In der Praxis orientieren sich Finanzämter regelmäßig an den BMF-AfA-Tabellen. Wer davon abweicht, sollte die abweichende Nutzungsdauer gut begründen können.
Kurzfazit:
| Wer bestimmt die AfA? | Gesetz: §7 EStG |
| Wer legt die Jahre fest? | BMF |
| Was sind AfA-Tabellen? | Verwaltungsvorschriften |
| Sind sie bindend? | Nein, aber Standard |
Beispiel für Abschreibungsdauer (AfA-Tabelle)
| Wirtschaftsgut | Nutzungsdauer | Quelle |
|---|---|---|
| Computer / Laptop | 1 Jahr (seit 2021 möglich) | BMF-Schreiben |
| Software | 1 Jahr | BMF |
| Büromögel | 13 Jahre | AfA-Tabelle |
| PKW | 6 Jahre | AfA-Tabelle |
| LKW | 9 Jahre | AfA-Tabelle |
| Maschinen | meist 8-10 Jahre | AfA-Tabelle |
| Ladeneinrichtung | 8 Jahre | AfA-Tabelle |
| Werkzeuge | 5 Jahre | AfA-Tabelle |
| Telefonanlage | 5 Jahre | AfA-Tabelle |
| Photovoltaik | 20 Jahre | AfA-Tabelle |
Tipp, den viele nicht kennen: Für Computerhardware und Software kann seit einem BMF-Schreiben (26.02.2021, aktualisiert am 22.02.2022) eine betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer von einem Jahr angesetzt werden. Dadurch wurde die Nutzungsdauer massiv verkürzt.
Praktische Gestaltung (Unternehmerrealität)
In der Praxis nutzen viele Unternehmer die folgende Kombination:
- IAB bilden
- Sonderabschreibung nutzen
- Normale AfA nutzen
Wie der Investitionsabzugsbetrag funktioniert, erklären wir ausführlich im Blogartikel „Investitionsabzugsbetrag (IAB) verständlich erklärt“.
Sonderabschreibung beim IAB verständlich erklärt
Eine Sonderabschreibung ist eine zusätzliche steuerliche Möglichkeit, die unter bestimmten Voraussetzungen neben der regulären Abschreibung genutzt werden kann.
Sie trägt dazu bei, die steuerliche Wirkung einer Investition zeitlich anders zu verteilen. Dadurch wird die Abschreibung in den ersten Jahren verstärkt.
Wichtig ist dabei: Auch die Sonderabschreibung folgt gesetzlichen Voraussetzungen. Sie ist deshalb keine pauschale Option für jede Investition, sondern muss im Einzelfall richtig eingeordnet werden.
Praxisbeispiel: Kombination aus IAB, Sonderabschreibung und AfA
Ein einfaches Beispiel zeigt, wie Investitionsabzugsbetrag, Sonderabschreibung und AfA in der Praxis zusammenwirken können.
Du planst die Anschaffung einer Maschine für 100.000 EUR netto.
Schritt 1: Investitionsabzugsbetrag (IAB)
Bereits vor der Investition kann ein IAB von bis zu 50 % der geplanten Anschaffungskosten gebildet werden.
→ möglicher IAB: 50.000 EUR
Dieser Betrag reduziert den steuerlichen Gewinn im Jahr der Bildung.
Schritt 2: Sonderabschreibung (§7g EStG)
Nach der Anschaffung kannst Du zusätzlich zur normalen Abschreibung eine Sonderabschreibung von bis zu 40 % nutzen.
→ mögliche Sonderabschreibung: 40.000 EUR
Schritt 3: Reguläre Abschreibung (AfA)
Der verbleibende Restwert wird anschließend über die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer abgeschrieben.Bei einer Maschine mit beispielsweise 10 Jahren Nutzungsdauer erfolgt danach die lineare AfA.
| Schritt | Steuerlicher Effekt |
|---|---|
| IAB | Gewinnminderung im Jahr der Bildung |
| Sonderabschreibung | zusätzliche Abschreibung nach Anschaffung |
| AfA | reguläre Abschreibung über Nutzungsdauer |
Wichtig: Diese Darstellung dient nur der vereinfachten Veranschaulichung. Die tatsächliche steuerliche Behandlung hängt immer vom konkreten Einzelfall ab.
So funktionieren Abschreibungsstrategien in der Praxis
In der Praxis bedeutet eine Abschreibungsstrategie nicht, diese möglichst kompliziert zu gestalten.
Es geht vielmehr darum, folgende Fragen sauber zu beantworten:
- Welche Investition ist geplant?
- Wann soll sie erfolgen?
- Wie wirkt sie sich steuerlich aus?
- Welche Abschreibungslogik passt dazu?
- Wie passt das zur Liquidität des Unternehmens?
Gerade hier zeigt sich der Zusammenhang mit dem IAB. Denn der Investitionsabzugsbetrag und Abschreibungen greifen in vielen Fällen ineinander.
Häufige Fehler bei Abschreibungen und Sonderabschreibungen
Typische Fehler bei Abschreibungsstrategien sind:
- Abschreibung wird erst nach der Investition betrachtet
- AfA und Sonderabschreibung werden verwechselt
- Steuerliche Wirkung wird mit realem Cashflow gleichgesetzt
- Investition und steuerliche Struktur passen nicht zueinander
- Liquiditätsplanung fehlt trotz steuerlicher Entlastung
Ein häufiges Missverständnis lautet: Wenn steuerlich etwas abgeschrieben wird, ist das automatisch ein wirtschaftlicher Vorteil. Das stimmt so nicht. Steuerliche Wirkung und unternehmerische Sinnhaftigkeit sind zwei verschiedene Ebenen.
Welche praktischen Fehler beim Investitionsabzugsbetrag besonders häufig auftreten, zeigt der Beitrag „Die 10 größten Fehler beim Investitionsabzugsbetrag (IAB)“.
Wenn Du solche Fehler vermeiden möchtest, trage Dich in den Newsletter ein. Dort bekommst Du regelmäßig praxisnahe Hinweise, typische Fehlerquellen und verständlich eingeordnete Impulse inkl. Checklisten rund um Steuergestaltung, Liquidität und Vermögensoptimierung sowie Vermögensabsicherung für Unternehmer.
Experten-Hinweis: Abschreibungsstrategien richtig einordnen
In der Praxis funktionieren Abschreibungsstrategien am besten, wenn sie Teil einer größeren Investitions- und Liquiditätsplanung sind.
Wer nur auf den steuerlichen Effekt schaut, denkt zu kurz. Entscheidend ist, dass Investition, Abschreibung, Finanzierung und betriebliche Realität zusammenpassen.
Einordnung: Wie Du Abschreibungen strategisch in Deine Planung integrierst
Abschreibungen sind für Unternehmer kein Nebenthema.
Sie sind ein zentraler Baustein jeder sauberen Steuer- und Liquiditätsplanung. Besonders bei größeren Anschaffungen lohnt es sich, frühzeitig zu prüfen, wie sich AfA, mögliche Sonderabschreibungen und andere Regelungen in die Gesamtplanung einfügen.
Im Umfeld redaktioneller Informationsangebote wie steuer-tipps.de geht es deshalb nicht um isolierte Einzelmaßnahmen, sondern um eine verständliche Einordnung und bessere Entscheidungsgrundlagen.
Fazit: Abschreibungen strategisch nutzen statt nur anwenden
Die AfA ist die Grundlage. Sonderabschreibungen können ein zusätzlicher Baustein sein.
Entscheidend ist aber nicht, möglichst viele steuerliche Instrumente zu kennen, sondern sie sauber einzuordnen. Wer Abschreibungsstrategien strategisch nutzt, verbessert nicht nur seine steuerliche Struktur, sondern auch die Qualität seiner Investitionsentscheidungen.
Gerade bei größeren Investitionen ist es sinnvoll, Abschreibung, Liquidität und steuerliche Struktur nicht isoliert, sondern im Zusammenhang zu betrachten. Im Umfeld der NLSC Steuer & Vermögensoptimierung wird das Thema deshalb nicht isoliert, sondern als Teil einer übergeordneten Planungslogik betrachtet.
Weitere hilfreiche Artikel zum Thema „Investitionsabzugsbetrag (IAB)“
Hinweis: Der Artikel wurde von der Redaktion steuer-tipps.de für Unternehmer und Selbstständige recherchiert, geprüft und fachlich eingeordnet.



